Erstellt am Montag, 16 Februar 2026.

Winterdepression – wie macht sie sich bemerkbar und wie wird man sie schnell wieder los?
Der Winter bringt für viele Menschen eine besondere Stimmung mit sich: kürzere Tage, weniger Sonnenlicht und kältere Temperaturen. Während die dunkle Jahreszeit auf manche einen ganz eigenen Reiz ausübt, erleben andere eine deutliche Verschlechterung ihrer Stimmung. Sie fühlen sich niedergeschlagen, leer und ohne Antrieb. In diesem Zusammenhang ist heutzutage häufig von „Winterdepression“ die Rede. Nicht immer haben saisonale Gefühle wie Traurigkeit und Müdigkeit jedoch etwas mit einer „Depression“ zu tun. In diesem Beitrag möchten wir einmal klären, was eine „echte“ Winterdepression ausmacht, was jeder von uns tun kann, um die negativen Gedanken und Gefühle in den dunklen Monaten zu vertreiben, und – wenn eine „echte Winterdepression“ besteht – was Betroffenen helfen kann.
Die Winterdepression ist eine Unterform der Depression, die durch einen klaren saisonalen Verlauf und einige Besonderheiten gekennzeichnet ist. In der Medizin spricht man von einer saisonal abhängigen Depression, auch bekannt als Seasonal Affective Disorder (SAD). Sie tritt typischerweise in den Herbst- und Wintermonaten auf und klingt im Frühling oder Sommer wieder ab.
Die Symptome einer Winterdepression ähneln grundsätzlich denen einer klassischen Depression. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
Anhaltende Niedergeschlagenheit oder gedrückte Stimmung
Antriebslosigkeit und schnelle Ermüdbarkeit
Verminderte Konzentrationsfähigkeit
Rückzug von sozialen Aktivitäten
Gefühl von Schwere in Armen und Beinen
Die „Winterform“ der Depression zeigt jedoch einige typische Besonderheiten. Während bei anderen depressiven Störungen oft Schlaflosigkeit und Appetitlosigkeit auftreten, berichten Menschen mit Winterdepression häufiger von vermehrtem Schlafbedürfnis und gesteigertem Appetit, eventuell auch von Gewichtszunahme.
Die Intensität kann stark variieren. Manche Menschen fühlen sich lediglich etwas träger und weniger motiviert, während andere eine ausgeprägte depressive Episode mit deutlichen Einschränkungen im Alltag entwickeln.
Gefühle wie Melancholie, Traurigkeit und Energielosigkeit in Herbst und Winter kennen viele Menschen. Wenn das Wetter schlechter, die Tage kürzer und kälter werden und sich das Jahresende sowie die Feiertage nähern, kann das ganz schön aufs Gemüt schlagen. Schnell ist von „Winterdepression“ die Rede. Doch in den wenigsten Fällen trifft das zu. Wichtig ist zunächst die Abgrenzung zum sogenannten „Winterblues“. Dabei handelt es sich um eine leichtere, vorübergehende Verstimmung, die nicht die diagnostischen Kriterien einer Depression erfüllt und meist ohne Behandlung wieder verschwindet. Aber auch andere Erkrankungen sollten bei Verdacht auf eine depressive Episode abgeklärt werden.
Eine leichte Stimmungseintrübung oder Stimmungsschwankungen in der dunklen Jahreszeit sind häufig normale körperliche Reaktionen. Der menschliche Organismus ist stark an den Tageslichtzyklus gebunden. Licht steuert eine Vielzahl von Prozessen im Körper, vor allem über den circadianen Rhythmus – also die innere Uhr. Weniger Tageslicht beeinflusst die Aktivität des sogenannten suprachiasmatischen Nukleus im Gehirn, der als zentrale Steuerzentrale für den Schlaf-Wach-Rhythmus gilt. Wird dieser Rhythmus durch Lichtmangel verschoben, fühlen sich viele Menschen müder, antriebsloser und weniger konzentriert. Zudem wird in Dunkelheit verstärkt Melatonin gebildet.
Melatonin ist das Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus reguliert. Höhere und länger anhaltende Melatoninspiegel führen dazu, dass man sich morgens schwerer fühlt, länger schläfrig bleibt und sich insgesamt weniger energiegeladen fühlt.
Auch der Serotoninspiegel wird vom Tageslicht beeinflusst. Serotonin ist ein Neurotransmitter, der eine zentrale Rolle für Stimmung, Motivation und Wohlbefinden spielt. Weniger Tageslicht kann die Serotoninaktivität im Gehirn senken und so das emotionale Gleichgewicht beeinflussen.
Schließlich ist noch der Vitamin-D-Spiegel zu erwähnen. Vitamin D wird überwiegend durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet. In den Wintermonaten sinken die Vitamin-D-Spiegel bei vielen Menschen, besonders in nördlichen Breitengraden. Dies wird ebenfalls mit stärkerer Müdigkeit und verminderter Leistungsfähigkeit in Verbindung gebracht.
Der Winterblues kann die Stimmung deutlich eintrüben. Die Betroffenen können ihren Alltag in der Regel aber weiterhin bewältigen. Arbeit, Studium oder soziale Verpflichtungen fallen nicht leicht, bleiben aber meist möglich.
Die „echte“ Winterdepression ist eine echte Depression, genauer gesagt eine Unterform des Krankheitsbildes der depressiven Störung. Daher ist jede Winterdepression eine Depression, aber nicht jede Depression eine Winterdepression. „Normale“ depressive Episoden können jederzeit, das ganze Jahr hindurch auftreten – und daher nicht selten auch im Winter. Es mag vielleicht überraschen: Tatsächlich kommt die allgemeine Depression (im Winter) deutlich häufiger vor als die echte Winterdepression. Das klingt zunächst vielleicht nach Haarspalterei, tatsächlich ist die genaue klinische Diagnose jedoch wichtig, da sich Behandlungsschritte unterscheiden können.
Die Diagnose einer Winterdepression erfolgt nicht durch einen einzelnen Test oder Laborwert, sondern durch eine klinische Beurteilung. Entscheidend ist ein ausführliches Gespräch über die Symptome, deren Verlauf und vor allem das saisonale Muster.
Der wichtigste Schritt ist ein ausführliches Gespräch. Dabei werden unter anderem folgende Punkte erfasst:
Aktuelle Symptome (Stimmung, Schlaf, Appetit, Energie)
Beginn und Dauer der Beschwerden
Jahreszeitlicher Verlauf
Frühere depressive Episoden
Belastungsfaktoren im Alltag
Schlafrhythmus und Tageslicht-Exposition
Körperliche Erkrankungen und Medikamente
Körperliche Untersuchung und Laborwerte
Da körperliche Erkrankungen depressive Symptome verursachen oder verstärken können, gehört oft auch eine medizinische Abklärung dazu.
Typische Untersuchungen:
Allgemeine körperliche Untersuchung
Blutuntersuchung, z. B.:
Blutbild
Vitamin-D-Spiegel (bei Verdacht auf Mangel)
Die Diagnose wird gestellt, wenn depressive Symptome über mindestens zwei aufeinanderfolgende Jahre hinweg saisonal auftreten und sich außerhalb der Wintermonate deutlich bessern oder verschwinden. Es handelt sich also nicht nur um eine vorübergehende Verstimmung, sondern um eine klinisch relevante depressive Episode mit klarer jahreszeitlicher Bindung.
Depressionen werden häufig spät erkannt, da viele Betroffene ihre Symptome zunächst als normale Stimmungsschwankungen oder Stressreaktionen interpretieren. Regelmäßige Gesundheitschecks können helfen, erste Anzeichen frühzeitig zu erkennen.
Der wichtigste Schritt ist: Sprechen Sie mit einem Arzt. Die richtige Diagnose, vor allem die Abgrenzung zur depressiven Episode und zu anderen Erkrankungen, ist der beste Weg, um eine schnelle und wirksame Behandlung zu starten.
Die Behandlung der Winterdepression richtet sich nach der Schwere der Symptome und den individuellen Bedürfnissen. Es gibt mehrere evidenzbasierte Ansätze, die oft auch kombiniert werden und von denen manche auch präventiv eingesetzt werden können.
Die Lichttherapie gilt als Behandlung der ersten Wahl bei saisonal abhängiger Depression. Dabei sitzen Betroffene täglich etwa 20 bis 30 Minuten vor einer speziellen Lichtlampe.
Das helle Licht soll den circadianen Rhythmus stabilisieren und die Serotoninproduktion fördern. Studien zeigen, dass viele Patienten bereits nach ein bis zwei Wochen eine deutliche Besserung der Symptome verspüren. Wichtig ist dabei, dass die Therapie regelmäßig über mehrere Wochen (möglichst morgens) angewendet wird.
Bei Winterdepression hilft keine beliebige Lampe, sondern eine spezielle Lichttherapielampe. Entscheidend sind bestimmte technische Merkmale – vor allem die Lichtstärke (Lux) und die korrekte Anwendung.
Medizinische Leitlinien empfehlen für die Behandlung einer Winterdepression eine Lichtstärke von 10.000 Lux für etwa 20–30 Minuten täglich. Als therapeutisch wirksam gilt Licht ab etwa 10.000 Lux, wobei der Abstand zur Lampe eine wichtige Rolle spielt.
Darauf sollten Sie achten:
Lichtstärke: 10.000 Lux (bei realistischem Sitzabstand)
UV-frei: Schutz für Augen und Haut
Medizinprodukt oder zertifizierte Lichttherapielampe
Angenehme Lichtfarbe (tageslichtähnlich, etwa 5.000–6.500 Kelvin)
Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt antidepressiv und verbessert nachweislich die Stimmung. Besonders wirksam ist Bewegung im Freien, da selbst an bewölkten Tagen das natürliche Tageslicht deutlich stärker ist als künstliche Beleuchtung in Innenräumen. Jede Form körperlicher Aktivität ist förderlich. Das kann ein täglicher Spaziergang sein, mit dem Fahrrad zur Arbeit pendeln oder Ausdauersport wie Joggen.
Bei mittelschweren bis schweren Symptomen ist eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll. Besonders die kognitive Verhaltenstherapie hat sich bei saisonalen Depressionen als wirksam erwiesen.
Hier lernen Betroffene unter anderem:
Negative Denkmuster zu erkennen und zu verändern
Aktivitätsaufbau im Alltag
Strategien zur Stimmungsregulation
Umgang mit Stress und sozialen Belastungen
In schweren Fällen oder bei unzureichender Wirkung anderer Maßnahmen kann eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva notwendig sein. Häufig kommen selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) zum Einsatz. Die Entscheidung über eine medikamentöse Therapie sollte immer gemeinsam mit einem Arzt oder einer Ärztin getroffen werden.
Im Zusammenhang mit Winterdepression wird besonders häufig Vitamin D genannt. Dieses Vitamin wird zum größten Teil in der Haut unter Einfluss von Sonnenlicht gebildet. In den Wintermonaten, vor allem in nördlichen Breitengraden, ist die UVB-Strahlung oft nicht ausreichend, um eine ausreichende Vitamin-D-Produktion zu gewährleisten.
Ein Vitamin-D-Mangel wird mit verschiedenen gesundheitlichen Problemen in Verbindung gebracht, darunter auch depressive Symptome. Einige Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und erhöhter Depressionsneigung. Die Datenlage ist jedoch nicht eindeutig genug, um Vitamin D als alleinige Therapie für Winterdepression zu empfehlen.
Umfangreiche Studien haben gezeigt, dass etwa 60 Prozent der deutschen Bevölkerung an einem Vitamin-D-Mangel leiden. Es spielt eine wesentliche Rolle beim Energie- und Muskelstoffwechsel, im Nervensystem und beim Knochenaufbau.
Dennoch gilt:
Bei nachgewiesenem Mangel kann eine Supplementierung sinnvoll sein
Die Dosierung sollte idealerweise nach einer Blutuntersuchung erfolgen
Eine ärztliche Beratung wird empfohlen, um Überdosierungen zu vermeiden
Neben Vitamin D spielen auch andere Nährstoffe eine Rolle für die psychische Gesundheit, darunter:
B-Vitamine (vor allem B6, B12 und Folsäure)
Omega-3-Fettsäuren
Magnesium
Eine regelmäßige Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels und anderer Nährstoffspiegel, etwa im Rahmen eines Gesundheitschecks, kann daher im Hinblick auf die Krankheitsprävention gesundheitliche Vorteile bringen.
Die Winterdepression ist eine ernstzunehmende, saisonal auftretende depressive Störung, die diagnostisch von „Winterblues“, einer allgemeinen depressiven Störung und anderen Erkrankungen abgegrenzt werden sollte, damit sie gezielt behandelt werden kann. Wichtig ist dabei das wiederkehrende Auftreten über mehrere Jahre hinweg. Die allgemeine Depression ist insgesamt häufiger als die saisonale Form. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht gezielte Maßnahmen wie Lichttherapie, Bewegung, Psychotherapie oder gegebenenfalls Medikamente. Auch regelmäßige Gesundheitschecks, bei denen körperliche und psychische Faktoren gemeinsam betrachtet werden, können helfen, depressive Entwicklungen frühzeitig zu erkennen.