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Nehmen Sie Folsäurepräparate nur nach ärztlicher Absprache

Erstellt am Montag, 02 Dezember 2013. Kategorie/n: Allgemeine Gesundheits-Tipps, Ernährung

Nehmen Sie Folsäurepräparate nur nach ärztlicher Absprache

Das Vitamin ist wichtig für Stoffwechsel, Blutbildung und in der Schwangerschaft – aber in Maßen.

Beim Stichwort Folsäure denken die meisten an Schwangerschaft: Ein Folsäuremangel kann bei ungeborenen Kindern zu Missbildungen wie dem sogenannten offenen Rücken (Spina bifida), einem Defekt des Neuralrohres, und zu Autismus führen. Auch die Neigung zu einer Frühgeburt oder angeborenen Herzfehlern wird darauf zurückgeführt. Schwangere sollten daher zu einer ausgewogenen Ernährung zusätzlich Folsäure in Tablettenform einnehmen.

Darüber hinaus beeinflusst Folsäure zahlreiche Prozesse in unserem Körper: Für die Bildung der Erbsubstanz DNA, den Eiweißstoffwechsel und den Fettstoffwechsel benötigen wir Folsäure. Vor allem bei Wachstumsprozessen und der Zellteilung spielt Folsäure eine bedeutende Rolle. Da die blutbildenden Zellen im Knochenmark sich sehr häufig teilen, ist eine ausreichende Versorgung mit dem Vitamin wichtig für die Blutbildung.

Natürliche Folate, künstliche Folsäure

Seinen Namen verdankt die Substanz dem lateinischen Begriff „folium“ (Blatt) in Anlehnung an die Spinatblätter, aus denen das Vitamin erstmals isoliert wurde. Es ist hitze- und lichtempfindlich, dazu wasserlöslich und wird auch Vitamin B9 genannt. „Genau genommen muss man zwischen Folaten, die in der Natur vorkommen, und industriell hergestellter Folsäure unterschieden“, erklärt Dr. Reinhold Lunow, Internist und ärztlicher Leiter der Praxisklinik Bornheim zwischen Köln und Bonn. „Im alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet der Begriff ‚Folsäure‘ sowohl das natürliche Folat als auch die künstliche Folsäure.“

Wie alle Vitamine ist Folsäure für den menschlichen Organismus essenziell, also lebensnotwendig, kann aber von ihm selbst nicht hergestellt werden. Deshalb muss Folsäure mit der Nahrung aufgenommen werden. Sie ist vor allem in Hefen, Weizenkeimen und -kleie sowie in Kalbs- und Geflügelleber enthalten. Geringere Mengen kommen in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten, grünem Blattgemüse, Roter Bete, Brokkoli, Karotten, Spargel, Radieschen, Rosenkohl, Rucola, Spinat, Tomaten, Eigelb, Nüssen, Obst, Fisch und Fleisch vor.

Undeutliche Symptome bei Folsäuremangel

Sehr oft tritt ein Folsäuremangel als Folge von erhöhtem Alkoholkonsum, Erkrankungen des Dünndarms oder Lebererkrankungen auf. Die Symptome sind vielfältig und oft unspezifisch: Reizbarkeit, Konzentrationsschwäche, depressive Verstimmung, Erschöpfung, Übelkeit, Gewichtsverlust, Durchfall, Entzündung der Zunge (Glossitis), Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) und Blutarmut (Anämie) stellen sich ein.

Außerdem begünstigt ein Mangel die Entstehung von Arteriosklerose und in der Folge das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall. Im Alter steigt die Gefahr, an Demenz zu erkranken.

Vielen Lebensmitteln wird Folsäure zugesetzt. Dazu zählen Müslimischungen, Fruchtsäfte, Milchprodukte und Salz. „Eigentlich lässt sich der tägliche Bedarf an Folsäure über eine gesunde, ausgewogene Ernährung decken. Aber die wenigsten Menschen essen täglich fünfmal Obst und frisches Gemüse: Vier von fünf aller Deutschen schaffen es nicht, ihren Tagesbedarf an Folsäure allein durch den Verzehr gesunder Lebensmittel zu decken“, sagt Dr. Lunow.

Schwangere brauchen zusätzlich Folsäure

Die empfohlene Tagesdosis beträgt für Männer und Frauen etwa 300 bis 400 µg (Mikrogramm), in der Schwangerschaft 800 µg, wobei die zusätzlich notwendige Menge über Tabletten eingenommen wird.

Unser Körper kann maximal 12 bis 15 mg (Milligramm) Folsäure speichern, was einem Vorrat für drei bis vier Monate entspricht. Damit das Vitamin in den verschiedenen Stoffwechselprozessen wirksam werden kann, muss der Körper es in das sogenannte Koenzym Tetrahydrofolat (THF) umwandeln. Aufgrund der begrenzten Geschwindigkeit dieses Prozesses wird zu wenig Folsäure nur nach und nach umgewandelt. Wächst jedoch die Menge der noch nicht umgesetzten Folsäure, kann das Immunsystem geschwächt und das Fortschreiten von Krebsvorstufen begünstigt werden kann. Ein Überschuss an Folsäure kann auch einen Vitamin-B12-Mangel verdecken, aus dem möglicherweise eine Schädigung des Nervensystems erwächst.

Andererseits haben Wissenschaftler herausgefunden, dass eine zusätzliche Folsäure-Aufnahme das Risiko für manche Krebsarten senkt, so z. B. für Darmkrebs, Krebs im Mund- und Rachenraum, Brustkrebs, Blasenkrebs und Prostatakrebs.

Folsäuremangel: Vorsicht bei Nahrungsergänzungsmitteln

„Die Einnahme von Folsäurepräparaten zur normalen Nahrung sollte daher immer mit dem Arzt abgesprochen werden“, rät Dr. Lunow. „Ein Mangel lässt sich schnell über eine Blutuntersuchung feststellen.“ Bereits nach zwei bis drei Wochen, in denen man zu wenig Folsäure aufgenommen hat, sinkt die sogenannte Plasmafolsäure im Blut. Als Langzeitmarker eignet sich das in den roten Blutkörperchen enthaltene Folat: Seine Konzentration sinkt, wenn eine Unterversorgung etwa drei bis vier Monate andauert.

„Darüber hinaus sollte man sich körperlich untersuchen lassen und seine Ernährungsgewohnheiten mit dem Arzt erörtern“, empfiehlt Dr. Lunow. „In unserer Praxisklinik bieten wir auch eine Ernährungsberatung an mit Tipps für die Küche. Gerade bei der Folsäure kommt es auf eine schonende Zubereitung der Nahrungsmittel an: nicht zu lange gewässert, nicht zu heiß zubereitet. Sonst geht das Vitamin verloren, bevor wir es überhaupt zu uns nehmen können.“

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